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Welttoilettentag 2011

Nachlese zum Welttoiletentag am 19.11.2011Welttoilettentag, (C) Pixelio, Dieter Schütz

Seit 2001 ist jeweils am 19.11. Welttoilettentag. Als ich dies im Radio hörte, dachte ich erst, das sei ein Witz. Bald wurde mir klar, dass es sich um ein ernstes und wichtiges Thema handelt. Ziel ist es, die Menschen auf ein ungelöstes Hygieneproblem der Menschheit aufmerksam zu machen.

Leider hat sich seit 2001 wenig getan: 2,6 Milliarden Menschen weltweit – also fast jeder Dritte hat keinen Zugang zu sanitären Einrichtungen. Nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) kostet dieser Umstand jährlich 1,5 Millionen Menschen das Leben. Betroffen sind vor allem Menschen unter fünf Jahren. An Durchfallerkrankungen infolge mangelnder Hygiene sterben jährlich mehr junge Menschen als an Aids, Malaria und Masern zusammen. Dabei wäre „ein Klo die billigste medizinische Vorsorge“, meint der Unternehmer Jack Sim, Gründer der Welttoilettenorganisation (WTO).

Dennoch wird das Problem weitgehend ignoriert. Eine Halbierung des Anteils der Menschen ohne Zugang zu sauberem Trinkwasser bis 2015, eines der Millenniumziele der Vereinten Nationen, könne voraussichtlich nicht erreicht werden, sagte Sim weiter. „Das Spendensystem aus reiner Nächstenliebe funktioniert nicht. Wir brauchen markt- wirtschaftliche Lösungen, die sich selbst tragen.“

Chancen und Optimierungsmöglichkeiten

Eine Investition in sanitäre Einrichtungen wäre sogar hochrentabel. Man hat ausgerechnet, dass jeder investierte Euro sage und schreibe sieben Euro volkswirtschaftlichen Nutzen bringt. Aber leider sind Großprojekte wie z.B. Krankenhäuser prestigeträchtiger.
Welcher Politiker weiht schon gerne eine Toilette ein?

Entwicklungshilfeprojekte sind allerdings häufig nur hilflose Hilfsaktionen. Denn es funktioniert nicht, wenn wir unser Sanitärsystem, das viel Wasser und eine aufwändige Infrastruktur aus Kanalsystemen und Klärwerken benötigt, einfach zu kopieren und zu exportieren.

In Äthiopien wurden beispielsweise in Neubauten Wasserspültoiletten eingebaut. Wenige Wochen nach der Regenzeit waren die Toiletten mangels Wasser nicht mehr nutzbar. Die Leute installierten dann Grubentoiletten vor dem Neubau, die aber meist nicht ausreichend abgedichtet  waren. Die Brühe sickerte dann ins Grundwasser und verseuchte nahegelegene Brunnen.

Wie es funktionieren kann, zeigt beispielsweise die Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ). Sie entwickelt Konzepte für einfache und nachhaltige Toiletten. Anstatt auf wassergespülte Toiletten setzt die GTZ auf Kompost- und Trenntoiletten. Urin und Fäkalien werden getrennt gesammelt, aufbereitet und dann als Dünger genutzt.

Ein ähnlicher Ansatz ist die Terra-Preta-Methode (terra preta = schwarze Erde), die auf ein Kompostrezept aus dem Amazonasgebiet zurückgeht. Die alten Indianervölker Amazoniens haben bereits vor über 2000 Jahren eine nachhaltige Landwirtschaft betrieben. Sie mischten wahrscheinlich Fäkalien und verschiedene Hausabfälle unter die unfruchtbare Erde. Auf einem ursprünglich relativ unfruchtbaren Gebiet ist durch die Bodenbearbeitung eine fast pechschwarze und fruchtbare Humuserde entstanden.

Ob derartige Kompostsystem auch für uns zukunftsweisend sein können, muss sich zeigen. Im Grunde müssen wir im Zuge der Nachhaltigkeitsdiskussion auch den Umgang mit unseren kleinen und großen Geschäften überdenken. Laut Angaben der Umweltschutzorganisation BUND spülen wir täglich etwa 42 Liter Trinkwasser die Toilette hinunter. Dies entspricht etwa ein Drittel unseres Tagesbedarfs. Mit einer einzigen Toilettenspülung könnte ein Mensch in den Entwicklungsländern seinen Tagesbedarf decken. Damit vergeuden wir aber nicht nur Trinkwasser. Wir geben Unsummen für eine aufwändige Infrastruktur von Kanalsystemen und Klärwerken aus, um letztlich eine wertvolle Ressource zu vernichten – nämlich die Nährstoffe Phosphor und Stickstoff, die wir auf anderem Wege als Kunstdünger produzieren.

Sprit aus Abwasser
Einen ganz anderen Weg geht man in Neuseeland, wo aus Fäkalien und Abwässern Sprit für Flugzeuge und Autos produziert werden. Die Kleinstadt Blenheim mit 14000 Einwohnern gewinnt täglich 300 bis 400 Liter Rohöl aus ihren Klärteichen. Das Rohöl unterscheidet sich kaum von Öl aus dem Persischen Golf und kann in einer Raffinerie wie(r) gewohnt verarbeitet werden. Man schätzt, dass die Abwässer Neuseelands z.B. zehn Prozent des benötigten Kerosins liefern könnte. Dies wäre immerhin ein erster Schritt hin zur Nachhaltigkeit im Flugverkehr.

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Quellen und vertiefende Informationen

Radio Bayern 2, 17.11.2011

Focus.de, 17.11.2011

Süddeutsche.de

Welt.de, 7.11.2011

Financial Times Deutschland, 07.03.2006

German Toilet Organization e.V.
 

 

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