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Interview mit Carina Schreiner (Evolutionspädagogin, Lerncoach)

Carina Schreiner verfolgt mit der „Evolutionspädagogik“ einen wesentlich smarteren Ansatz als die vielen Nachhilfeinstitute. Bei ihr geht es NICHT um ein nochmaliges Pauken, sondern um die Lösung von Lernbarrieren.

Das Interview haben wir am 09.02.2010 in Form einer Telefonkonferenz durchgeführt.

Carina SchreinerJosef Maiwald: Sie haben ursprünglich als Wirtschafsingenieurin gearbeitet. Wie kommen Sie zu den Themen „Nachhilfe“ und „Mentaltraining“?

Carina Schreiner: Der Wechsel in die Lernberatung ist privat begründet. Ich habe nach Möglichkeiten gesucht, eine berufliche Tätigkeit mit meiner Rolle als Mutter zu vereinbaren. Und die ersten, guten Erfolge gaben mir den Mut, weiter zu machen und tiefer in die Materie einzutauchen.

Josef Maiwald: Warum funktioniert die ursprüngliche Nachhilfe nicht? 

Carina Schreiner: Ich kann es gut erklären am Beispiel Gitarre spielen: Man spielt Gitarre, es hört sich falsch an – und es wird einem geraten, mehr zu üben. Richtiger ist es, erst das Instrument zu stimmen. Und das bedeutet, übertragen auf die Kinder, Lernblockaden zu lösen und damit erst mal die grundlegende Voraussetzung für stressfreies Lernen zu schaffen. Ist die Blockade gelöst, kann gezielte Nachhilfe, um Lücken zu schließen durchaus sinnvoll sein.

Josef Maiwald: Wie kamen Sie auf die Evolutionspädagogik? 

Carina Schreiner: Ich habe Kurse in „Lernen lernen“ gegeben, stieß aber mit diesen Lerntechniken an Grenzen. Meine Klienten kamen einfach nicht so richtig voran. Also machte ich mich weiter auf die Suche und kam schließlich zur Praktischen Pädagogik. Dieses Konzept der Evolutionspädagogik wurde vor 20 Jahren von Ludwig Koneberg entwickelt. Mit Hilfe dieser schnell umsetzbaren Methode lassen sich gezielt Lernblockaden aufspüren und anschließend beheben. 

Josef Maiwald: Was ist das Besondere an Ihrer Methode? 

Carina Schreiner:Man weiß, dass das Gehirn unter Stress teilweise abschaltet. Druck, Angst, schlechte Erfahrungen blockieren das Denkhirn. Archaische Notfallprogramme werden aktiviert, wie kämpfen, flüchten, sich tot stellen (auch als innere Kündigung bekannt). Dass man in diesem Zustand nicht leistungsfähig ist, liegt auf der Hand. Die betrifft nicht nur das Lernen, sondern auch das Verhalten. Unter Stress stecken wir in bestimmten Verhaltensmustern fest, obwohl man es eigentlich besser wüsste – und doch kann man in diesem Moment nicht anders. Ziel der Arbeit ist es, die Blockaden zu lösen und damit wieder Zugang zu schaffen zu Talenten und Fähigkeiten. Erst dann ist es möglich, das eigene Potential auszuschöpfen.
Die Behandlung erfolgt als Kurzzeitbehandlung. 2-4 Sitzungen, dazwischen liegen ca. 4-6 Wochen.
Als Hilfsmittel dient der Muskeltest aus der Kinesiologie.

Josef Maiwald: Gibt es konkrete Übungen? 

Carina Schreiner: Es gibt nicht DIE Übung schlechthin. Die Evolutionspädagogik geht von einem Gehirnmodell aus, das besagt, dass das Gehirn in seiner Entwicklung im Schnelldurchlauf die Evolution durchmacht, mit den Stufen Fisch, Amphibie, Reptil, Säugetier u.s.w. Auf jeder Stufe steht eine bestimmte Kompetenz im Mittelpunkt. Und jede Stufe hat eine Bandbreite. Z.B. Amphibie: Rückzug und Neugier. Beide Fähigkeiten brauche ich im Leben. Blockade bedeutet i.d.R., dass ein Mensch in einem Pol der Bandbreite feststeckt. Indem wir die Blockade lösen, ermöglichen wir ihm, sich situationsgerecht auf der gesamten Bandbreite hin- und herzubewegen.

Josef Maiwald: Mit welchen Kosten muss ich rechnen und welchen Nutzen kann ich in welchem Zeitraum erwarten? 

Carina Schreiner: Pro Sitzung (Dauer ca.1Std.) werden 60 € berechnet. Die Kosten werden von den Krankenkassen nicht übernommen. Da es sich um eine  Kurzzeitbehandlung handelt, liegen die Kosten im Rahmen. Wie schon gesagt, ich komme meist mit 2 bis 4 Sitzungen aus. 

Josef Maiwald: Gibt es auch wissenschaftliche Studien über die Wirksamkeit? 

Carina Schreiner: Dazu gibt es keine wissenschaftliche Untersuchung, aber sehr viele Erfahrungsberichte. 

Josef Maiwald: Es gibt ja auch Bücher zur „Evolutionspädagogik“ – können Sie Selbststudium und die Anwendung mit den eigenen Kindern empfehlen? 

Carina Schreiner: Beim Selbststudium und der Anwendung mit Büchern kann man zwar nichts falsch machen. Jedoch kann es auch sein, dass man nicht weiter kommt, dann braucht man einen Profi. 

Josef Maiwald: Ist Evolutionspädagogik nur etwas für Kinder, oder auch für Erwachsene? 

Carina Schreiner: Die Bandbreite reicht vom Vorschul- bis zum Rentenalter. Meine älteste Klientin war 67 Jahre alt. 

Josef Maiwald: Gibt es „Gegenanzeigen“ – also Menschen, bei denen Ihr Ansatz nicht erfolgsversprechend oder gar eher schädlich ist? 

Carina Schreiner: Es gibt keine Gegenanzeigen. Wenn ich frei werde im Verhalten, kann es in jedem Fall nur gut sein. Natürlich kann ich nicht alle Probleme der Welt mit dieser Methode lösen, aber die Erfolgsquote ist sehr hoch.

Josef Maiwald:Was sind so typische Themen, mit denen die Leute kommen? 

Carina Schreiner: Bei Schülern geht es meist um Hausaufgaben, Prüfungsangst, Konzentrationsprobleme, Lese-Rechtschreibschwäche, Schulfrust. Das Ziel meiner Arbeit ist aber immer Kompetenzerweiterung und in aller Regel tut sich was an der Gesamtpersönlichkeit des Klienten, die Kinder werden stärker, selbständiger, kommen besser mit anderen zurecht. Ich habe auch viele erwachsene Kunden, da geht es z.B. um den Umgang mit beruflichem Druck, schwierigen Kollegen, Lampenfieber vor Präsentationen.

Josef Maiwald: Verspricht die Methode auch bei gewaltbereiten Kindern Erfolg? 

Carina Schreiner: Sehr wohl! Diese Kinder befinden sich auf der Evostufe „Krokodil“. Das heißt, sie handeln aus dem Reptilienhirn heraus, das Innehalten, die Reflexion (die über das Vorderhirn läuft) fehlt. Durch gezielte Bewegungsübungen wird die Vernetzung zwischen Reptilien- und Vorderhirn hergestellt. 

Josef Maiwald: An wen wende ich mich, wenn ich für mich selbst oder mein Kind einen möglichen Bedarf sehe? 

Carina Schreiner: Auf der Homepage www.institut-pp.com des Instituts für Praktische Pädagogik gibt es ein Verzeichnis der Standorte und eine Adressliste mit Beratern, die über ganz Deutschland verteilt sind. Meine Adresse lautet www.schreiner-erfolgreicheslernen.de.  

Josef Maiwald: Wo kann man sich zum Lernberater/ Coach in praktischer Pädagogik ausbilden lassen? 

Carina Schreiner: Die Ausbildung, die ca. ein Jahr dauert, wird durchgeführt von den jeweiligen Standortleitern des Instituts für Praktische Pädagogik und ist in sieben Abschnitte à vier Tage gegliedert. Sie beinhaltet 500 Stunden. Über den zeitlichen Ablauf und die Kosten können Sie sich am jeweiligen Standort informieren. 

Josef Maiwald: Vielen Dank für die interessanten Einblicke in Ihre Arbeit!

 
 

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