Konstruktive Konfliktlösung
Schwelende Konflikte sind Energieräuber. Sie sollten sie daher möglichst schnell bereinigen.
Stellen Sie sich einmal folgende Situation vor: Sie haben sich mit einem Freund verabredet, um am Abend nach der Arbeit noch eine Runde zu Joggen. Sie stehen am üblichen Ausgangspunkt ihrer Runde, es ist kalt und windig und es fängt an zu nieseln. Ihr Freund lässt aber auf sich warten. Dies ist nicht das erste Mal und je länger Sie dastehen und je mehr Sie anfangen zu frösteln, desto mehr steigt der Ärger in Ihnen auf. Aber es dauert fast eine Viertelstunde, bis Ihr Freund endlich auftaucht. Mit einen lockeren "Oh, sorry, ich bin etwas spät dran" scheint für ihn die Sache erledigt zu sein. Nicht aber für Sie. Über die mangelnde Sensibilität ärgern Sie sich noch zusätzlich.
Den Ärger herunterschlucken wäre genauso falsch wie einen Streit zu provozieren. Wie aber können Sie reagieren?
Sprechen Sie Konflikte frühzeitig an
Grundsätzlich: Wenn Sie zu lange warten, staut sich möglicherweise zu viel Ärger an. Es wird dann schwierig, in Ruhe darüber zu reden. Sprechen Sie im Gespräch über die aktuelle Situation, an die Sie sich noch gut erinnern können.
Eine häufig zitierte Regel ist: Nehmen Sie den Streit niemals mit ins Bett. Versuchen Sie Ärgernisse noch am gleichen Tag zu bereinigen.
Im genannten Beispiel: Wenn Sie zunächst nicht in der Lage sind, schnell zu reagieren, haben Sie spätestens bei der Verabredung des nächsten Lauftreffs eine gute Gelegenheit, das Thema Pünktlichkeit anzusprechen.
Sprechen Sie in Ich-Botschaften
Grundsätzlich: Vermeiden Sie Verallgemeinerungen wie "Du kommst immer zu spät" oder "Du räumst nie auf". Solche Formulierungen werden schnell zu persönlich. Oder Ihr Gesprächspartner kann Sie mit einem Gegenbeispiel sehr leicht aushebeln. Sagen Sie lieber "Ich bin sauer ..." oder "Ich habe ein Problem mit ...". Schildern Sie die Situation so konkret wie möglich.
Im genannten Beispiel: "Ich stand unnötig lange im Regen und habe gefroren".
Bekräftigen Sie den guten und stabilen Teil der Beziehung
Z.B. "Ich schätze unsere Lauftreffs sehr. Daher möchte ich etwas ansprechen, was mich stört und was ich mir künftig anders wünsche."
Hören Sie Ihrem Gesprächspartner aufmerksam zu
Grundsätzlich: Bemühen Sie sich auch, die Situation Ihres Gesprächspartners zu verstehen. Nur dann haben Sie eine Chance, zu erfahren welche Beweggründe er hat oder welchen Zwängen er sich nicht entziehen kann.
Im genannten Beispiel: Wenn sich Ihr Freund z.B. aus Gutmütigkeit nicht rechtzeitig aus einem Gespräch herausziehen konnte, hilft es nicht weiter, wenn Sie ihn dafür "zur Schnecke machen".
Verbale Fehlgriffe möglichst sofort entschuldigen
Schaukelt sich das Gespräch doch zu einem Wortgefecht hoch, ist es leicht möglich, dass man in seiner Wortwahl auch einmal daneben greift. Entschuldigen Sie sich möglichst sofort für Ihre eigenen Fehlgriffe. Legen Sie auf der anderen Seite nicht jedes Wort Ihres Gesprächspartners auf die Goldwaage.
Eine kleine Lösung ist schon ein Gewinn
In ganz vielen Fällen ist es völlig unnötig, den Konflikt haarklein aufzuarbeiten. Wenn alle Seiten an einer guten Beziehung interessiert sind, reicht ein Signal, dass man sich geärgert hat. Es hat auch dann seine Wirkung, wenn der Gesprächspartner zunächst versucht, die Situation herunterzuspielen oder anderweitig unbeholfen reagiert.
Zielorientierung
Auch beim Streiten ist das Ziel wichtig: Es geht nicht darum, den Gesprächspartner an die Wand zu stellen und ihm alle Schwächen vorzuhalten. Es geht auch selten darum, genau zu klären warum, wie, was geschehen ist. Entscheidend ist, dass Sie gemeinsam eine Regelung finden, wie Sie künftig verfahren wollen.
Ich wünsche Ihnen viel Fingerspitzengefühl beim nächsten Konflikt.




