Smarter Umgang mit Corona

von | 6. Apr. 2020

Smarter Umgang mit Corona

Die Corona-Krise führt uns schmerzlich vor Augen, wie verletzlich unser Leben ist. Plötzlich ist die Gesundheit und gar das Leben in Gefahr – bei den Jungen und Starken etwas weniger, bei den Älteren und denen mit Vorerkrankungen deutlich mehr. Plötzlich bricht ein sicher geglaubter Umsatz ein, bewährte Abläufe und Gewohnheiten müssen umgestellt werden und vieles mehr. Wie geht es nach der Krise weiter – besser oder schlechter?

Hinweis für eilige Leser/-innen: Unter den Überschriften „Die Krise als Chance“ und „Krise zeigt Positives und macht erfinderisch“ finden Sie Gedankenimpulse zum Thema. Unter „Konkrete Schritte“ können Sie direkt aktiv werden.

Die Krise als Chance

Von John F. Kennedy stammt angeblich das Zitat: „Das Wort Krise setzt sich im Chinesischen aus 2 Schriftzeichen zusammen – das eine bedeutet Gefahr und das andere Gelegenheit“.

Die Krise als Chance zu sehen klingt für manchen, den es aktuell hart getroffen hat, vielleicht zynisch. Aber vermutlich ist es die sinnvollste Art, damit umzugehen. Mal ehrlich, unsere Gesellschaft ist doch schon lange krank. Seit Jahrzehnten schaue ich mir mit Begeisterung Naturdokumentationen an. Schon der gute alte Bernhard Grzimek (1909 – 1987) hat im Abspann von faszinierenden Filmen über die Serengeti immer wieder gewarnt: Er wisse nicht, wie lange solche Bilder angesichts von Wilderei und Umweltzerstörung noch möglich seien. Seither hat sich wenig in positiver und vieles in negativer Richtung weiterentwickelt. Monokultur, Reduktion der Artenvielfalt, Überdüngung, Mikroplastik, Erderwärmung, Wasser- und Luftverschmutzung, Abholzung und Versiegelung der Flächen sind nur einige der wichtigsten Schlagworte. Wohl die meisten von uns sind stolz auf unsere moderne Gesellschaft und unseren Fortschritt. Es ist möglich, unser Leben bequem einzurichten und uns in Sicherheit zu wiegen. Vielleicht ist die Sicherheit aber Illusion und vielleicht ist der beschrittene Weg eine Sackgasse. Sind unter den Problemen, die wir uns nach und nach einbrocken, auch regelrechte Zeitbomben? Ist es naiv, zu glauben, dass keine davon hochgeht?

Umwelt ist nur einer der Aspekte, die uns Grund zur Sorge geben sollten. All unsere Systeme, die wir im Laufe der Zeit entwickelt haben, sind renovierungsbedürftig (Schulsystem, Gesund-heitssystem, Wirtschaftssystem, Altersvorsorge, Medienlandschaft usw., siehe auch „Links zu einzelnen Themen“). Sie sind zwar – wenn wir von Deut¬schland sprechen – vielleicht etwas besser als in den meisten anderen Ländern; so richtig gut funktionieren sie aber nun wirklich nicht.

Vielleicht ist der Stresstest, den uns Corona unfreiwillig beschert, wirklich eine Chance uns auf unsere Stärken zu besinnen, Schwächen zu erkennen und die richtigen Konsequenzen daraus zu ziehen.

Aber nicht nur die Systeme, die uns „die da oben in der Politik“ vorgeben, verdienen es, unter die Lupe genommen zu werden. Auch wir als (re-)agierende Personen zeigen auf individueller Ebene Verhalten, das nicht immer situationsangemessen ist. So Manches, was ich in letzter Zeit gelesen und gehört habe, sind klassische Beispiele für selektive Wahrnehmung, Konstruktivismus, mangelnde Medienkompetenz, unseriösen Journalismus, skrupellose Geschäftemacherei, unterentwickelter Realitätssinn oder „wissenschaftlichen Analphabetismus“. Ich möchte den – nach meiner Einschätzung – Unsinn hier nicht wiedergeben. Manches ist wirklich so abstrus, dass mir unweigerlich in den Sinn kommt: „etwas mehr Bildung und ein bisschen mehr Fähigkeit zur Selbstreflexion würde jetzt helfen“. Auf der anderen Seite kenne ich den Wert von Meinungsvielfalt und den Wert eines konstruktiven Austauschs. Und genau das habe ich vor; und ich hoffe, Sie machen mit. Zunächst aber auch einige Beispiele, die zeigen, dass nicht nur Grund zur Sorge ist, sondern dass wir auf einer guten Basis aufbauen und damit berechtigten Grund zum Optimismus haben.

Krise zeigt Positives und macht erfinderisch

Die folgenden Beispiele sind längst nicht vollständig. Sie sollen einen kleinen Eindruck geben, welche positiven Effekte die Corona-Krise auch mit sich bringt.

  • Der Breitbandausbau scheint besser als sein Ruf. Experten sind sehr zuversichtlich, dass es zu keinen Problemen kommt. Carsten Titt, Sprecher der Deutsche Commercial Internet Exchange (De-Cix) meint: „Selbst wenn alle Firmen Europas ausschließlich Homeoffice betreiben würden und nebenher noch die Fußball-EM übertragen wird, kann der DE-CIX die notwendige Bandbreiten für reibungslose Interconnection bereitstellen“. (Quelle: Tagesspiegel, 17.03.2020)
  • Immer wieder hört man, dass die Solidarität und Hilfsbereitschaft unter Nachbarn stark zugenommen hat. Vielleicht wächst da ja mal wirklich eine Beziehung, wo Beziehung hingehört.
  • Die Aktion einer Bamberger Neubausiedlung ging viral. Das Video zeigt Nachbarn bei der Hausmusik auf ihren Vordächern. Sie spielen aus Solidarität mit Italien das italienische Partisanenlied „Bella Ciao“ (Link)
  • Barnimer Klangermutigung: Rund vierzig Bläserinnen und Bläser der Posaunenchöre des Kirchenbezirks Barnim lassen täglich um 18 Uhr an verschiedenen Orten im Landkreis Barnim ihre Posaunen erklingen, darunter in der Stadt Bernau, in Lobetal, Eberswalde, Prenden, Biesenthal und Marienwerder. Koordiniert wird die „Aktion der Ermutigung“ durch Daniel Pienkny, Lobetaler Kantor (Quelle)
  • Die Manufaktur 8 „Bürgerbeteiligung und Partizipation“ der Münchner Initiative Nachhaltigkeit hat ein Board initiiert, auf dem weitere „Positiv-hilfreiche Links“ gesammelt werden (Link zum Board)

Konkrete Schritte

Was können wir – sprich Sie, ich, wir als Gesellschaft – tun, um die schwierige Zeit nicht einfach nur zu ertragen, sondern um etwas Positives daraus zu ziehen? Aus Workshops kenne ich den Effekt zur Genüge: alleine hat man erst einmal keine rechte Idee, aber in einem gemeinsamen Brainstorming sprudeln sie dann plötzlich.

Ich habe 4 Fragen vorbereitet, die Ihre Kreativität anregen und die Ideen sortieren sollen. Den genauen Ablauf beschreibe ich gleich noch, hier sind zunächst die Fragen:

  • Welche Stärken (persönliche, gesellschaftliche und systembedingte) werden durch die Coronakrise deutlich?
  • Welche Schwächen (persönliche, gesellschaftliche und systembedingte) werden durch die Coronakrise deutlich?
  • Was sollte kurzfristig passieren (durch private Initiativen, Hilfsorganisationen, … Politik)?
  • Welche grundlegenden Lehren sollten wir aus der Krise ziehen, um gestärkt daraus hervorzugehen?

Sie gehen nun am besten wie folgt vor.

Schritt 1: Nehmen Sie einen Zettel und schreiben Sie Ihre Antworten zu jeder Frage auf. Formulieren Sie nach Möglichkeit Behauptungen; z.B. zur ersten Frage: „Es zeigt sich, dass viele Menschen hilfsbereit sind, wenn es darauf ankommt“. Zur zweiten Frage könnten Sie z.B. notieren „Es gibt eine Schieflage zwischen Wert der Arbeit und die Bezahlung (z.B. Fußballprofis / Investmentbanker auf der einen Seite, Krankenpfleger*innen, Lehrer*innen auf der anderen Seite)“. Und so weiter.

Schritt 2: Rufen Sie die Links zur jeweiligen Frage auf und lesen Sie die Aussagen, die bereits gesammelt wurden. Wenn Sie Vorschläge haben, die nicht nur anders formuliert sind, sondern inhaltlich etwas anderes aussagen, ergänzen Sie diese bitte. Lassen Sie sich gerne auch durch die Einträge der anderen Teilnehmer*innen inspirieren und entwickeln Sie Ideen weiter.

  • Welche Stärken … (Link)
  • Welche Schwächen … (Link)
  • Was sollte kurzfristig … (Link)
  • Welche grundlegenden Lehren … (Link)

Schritt 3: Dieser Schritt ist ab Karsamstag möglich. Nun können Sie alle Aussagen bewerten. Und zwar bewerten Sie den Widerstand, den die Aussage bei Ihnen auslöst. O (null) bedeutet, Sie haben keinen Widerstand, die Aussage ist für Sie okay. 10 bedeutet, dass Sie eine Aussage total ablehnen. Zwischenwerte können und sollten Sie nach Gefühl vergeben. Es ist sinnvoll, dass Sie jede Aussage auf sich wirken lassen und jede Aussage für sich bewerten.

Schritt 4: Ab Ostersonntag, 8 Uhr können Sie dann das Ergebnis einsehen. Sie sehen, welche Aussagen hochakzeptiert sind, welche polarisieren und welche von den Beteiligten abgelehnt werden.

Fragen und Antworten

Warum sollte ich mitmachen? Die Aktion ist ein Experiment, das folgenden Nutzen stiften soll. Durch die Beantwortung der Fragen gewinnen Sie selbst mehr Klarheit. Durch die Sammlung im Online-Tool erfahren Sie, wie andere denken. Manche werden ähnlich denken wie Sie, andere bringen wahrscheinlich Sichtweisen ein, die für Sie erst einmal fremd sind. Schließlich gibt es noch eine Bewertung. Damit erfahren Sie, inwieweit sich Ihre Einschätzung mit der der Gruppe deckt.

Wie sieht es aus mit Anonymität und Datenschutz? Wir nutzen für diese Aktion das Tool einer seriösen europäischen Firma. Die Informationen zum Datenschutz können Sie hier (Link) lesen. Es ist einfacher für Sie, wenn Sie mit Ihrer Mail-Adresse teilnehmen. Wenn Sie dennoch skeptisch sind, brauchen Sie keine Mail-Adresse eintragen. Sie müssen sich dann aber zusätzlich zum Link ein von Ihnen vergebenes Passwort notieren.

Was geschieht mit den Ergebnissen? Sie kennen die Antwort schon aus einem anderen Kontext. Wir müssen abwarten, wie sich die Daten entwickeln. Im Idealfall beteiligen sich so viele Menschen an der Aktion, dass sich aussagekräftige Schlussfolgerungen ableiten lassen. In dem Fall würden sich auch Zeitungen, Rundfunksendungen … finden, die darüber berichten. Das heißt, Sie hätten dadurch die Möglichkeit, nicht nur Ihre eigenen Schlüsse zu ziehen, sondern auch einen gewissen politischen Akzent zu setzen.

Noch Fragen?

Schreiben Sie mir bitte, wenn Sie Fragen haben. Die Kontaktadresse finden Sie hier (Link).

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